Falls unsere Nachberichte den Wunsch wecken sollten, etwas Ähnliches auch einmal mit dem eigenen Pferd zu unternehmen, möchte ich Sie dazu ermutigen.
Die grundlegenden Kenntnisse, die für das Reisen zu Pferd benötigt werden, vermitteln wir im Rahmen von Kursen und Seminaren der DWA.
Allerdings möchte ich ausdrücklich betonen, dass insbesondere Ritte im Gebirge immer mit besonderen Gefahren verbunden sind und die von uns in den Nachberichten beschriebenen Wege bei einem Schlechtwettereinbruch zum Teil lebensgefährlich sein können! Wenn Sie also diese Strecken "nachreiten" wollen, tun Sie das auf eigene Gefahr!
Um Gefahrensituationen realistisch einschätzen zu können, bedarf es neben dem Wissen auch immer an Erfahrung. Und diese gewinnt ein Wanderreiter erst im Laufe der Zeit...
Auf einem Wanderritt in unbekanntem Gelände sollten die aktuellen Wetterbedingungen und Zustände der Wege deshalb immer vor Ort erfragt werden. Hilfreich sind dabei insbesondere die Ratschläge der einheimischen Wanderreiter, die selbst auf den Wegen unterwegs sind.
Mehrtagesritte und Fernwanderritte - insbesondere, wenn sie mit zahlreichen Höhenmetern verbunden sind - erfordern eine überdurchschnittliche Kondition und Trittsichereit von Pferd und Reiter.
Unfälle passieren in der Regel dann, wenn eine physische oder psychische Überforderungssituation eintritt. Solche Überforderungssituationen möglichst zu vermeiden, bzw. rechtzeitig zu erkennen und adäquat darauf zu reagieren, liegt in unserer Verantwortung als Wanderreiter.
Ein wirklicher "Pferdemensch" weiß: Wir haben nicht das Recht, unser Ego auf Kosten der Gesundheit unserer Pferde zu pflegen!
Als Vorbild kann hier Herbert Fischer, der Gründer der Deutschen Wanderreiter-Akademie dienen: Er ist im Jahr 2003 mit seinen Gästen - darunter auch eine blinde Reiterin - innerhalb von 13 Wochen vom Rheingau in die Camargue geritten. Alle Pferde und Reiter kamen wohlbehalten an. Dabei waren die Tagesetappen so gewählt, dass die Reiter unterwegs die wunderschöne Natur und die geselligen Abende noch genießen konnten.
Als Rittführer nehme ich auf Fernwanderritten in kleinen Gruppen auch Reiter mit eigenem Pferd mit - vorausgesetzt ich bin mit ihnen schon kleinere Touren geritten und kann abschätzen, ob Pferd und Reiter den Anforderungen gewachsen sind. Es sollte Ehrensache für einen Rittführer sein, alle Gäste wohlbehalten ans Ziel zu bringen. Ausfallquoten, wie sie bei den zur Zeit in Mode gekommenen, organisierten "Massen-Alpenritten" zu verzeichnen sind, entsprechen weder meiner Vorstellung von Kompetenz, noch werden diese Ritte unserer Verantwortung gegenüber unseren Pferden gerecht.
Für uns Wanderreiter sind Pferde keine "Sportgeräte" und es geht beim Wanderreiten auch nicht um "Extremleistungen" - wer das nicht verstanden hat, ist kein Wanderreiter, sondern ein Sportreiter, der sich in der Natur bewegt.
Jeder Wanderreiter, der mit seinem Pferd wohlbehalten und mit schönen Erinnerungen von einem Wanderritt zurückkommt, ist laut Definition von CuChullaine O´Reilly ein "Gewinner".
Gehen Sie deshalb Ihre ersten Wanderritte langsam an - nach dem Prinzip "vom Bekannten zum Unbekannten / vom Einfachen zum Schwierigen". Wählen Sie für die ersten Wanderritte kurze Tagestappen und vertrautes Gelände - dann werden Sie auch Spaß bei Ihren Ritten haben.
Wenn es Sie ins Gebirge zieht, nutzen Sie zunächst die Angebote von Wanderreitbetrieben, auf erfahrenen Leihpferden zu reiten. So können Sie abschätzen, welche Anforderungen auf Sie und Ihr Pferd zukommen und sich gezielt darauf vorbereiten.
Mit jedem Kilometer, den Sie in verschiedenen Regionen im Sattel zurücklegen, werden Sie und Ihr Pferd an Erfahrung gewinnen und können Ihre Strecken und Anforderungen dann entsprechend steigern.
Unabhängig davon, wieviele Wanderritte Sie schon gemacht haben - es sollte für jeden Wanderreiter eine Selbstverständlichkeit sein, ein Leben lang dazuzulernen! Hier halten wir es mit dem griechischen Philosophen Sokrates:
"Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden."